Nachrichten als Plattform — KMUs statt Menschen als Abonnenten

Zeitungsunternehmen bemerken, dass ihre Umsätze rapide abnehmen, finden aber keine Lösung dafür. Speziell scheint ihr Geschäftsmodell nicht geeignet zu sein, sie, als Zeitungsunternehmen, am Leben zu erhalten. Doch sie scheinen gerade dies nicht verändern zu wollen, ihr Geschäftsmodell.

Dies ist ein Artikel über eine Idee, durch Nachrichten Umsatz zu erzielen [en]. Vielleicht ein neues Geschäftsmodell für Zeitungsunternehmen.

Traditionell erzielen Zeitungsunternehmen ihren Umsatz/Gewinn daraus, dass sie Zeitungen an eine möglichst große Anzahl von Abonennten verkaufen. Gleichzeitig bieten sie Unternehmen die Möglichkeit, deren Reklame einer Anzahl von Lesern zugänglich zu machen — der Zahl der Abonennten zzgl. der üblichen tägliche Zeitungsverkäufe sowie ggf. einer hochgerechneten Zahl Mit-Leser.

Die Anzahl der Abonennten nimmt rapide ab. Damit sinkt die Attraktivität der Zeitung für die Anzeigenkunden, was wiederum die Umsätze durch Reklame reduziert.
 

Web-erfahrene Menschen sind daran gewohnt, dass das erste, was sie von einer Nachricht sehen, ein Link ist. Dieser Link mag die Überschrift des verlinkten Artikels tragen oder eine Zusammenfassung oder komplett ohne Bezug zu der verlinkten Nachricht sein. — In Form von Tweets und SMS sind die Menschen sogar daran gewöhnt, eine komplette Nachricht in ca. 150 Zeichen präsentiert zu bekommen.

Auf Webseiten und in der Welt gibt es Laufschriften, auf denen Texte einzeilig dargestellt werden. damit längere als einzeilige Texte dargestellt werden können, wird der Text verschoben, so dass sein Anfang verschwindet und am Ende neue Buchstaben erscheinen.

Auf Laufschriften in der Welt wird dieses Verschieben mit allerlei Dekorationen garniert. Doch wie lange hält man es vor so einer Laufschrift aus? Entweder ist die Durchlaufgeschwindigkeit des Textes zu groß oder zu klein. In den seltensten Fällen passt sie genau zur eigenen Lesegeschwindigkeit. Und was ist, wenn man nochmal zum Anfang des Satzes zurückspringen möchte, weil man etwas nicht verstanden hat? — Es geht nicht. Deswegen ignoriert man Lauftexte alsbald und im Allgemeinen.

Dazu kommt, dass die ganzen Dekorationen häufig föllig deplatziert und zwecklos..kontraproduktiv eingesezt werden, und dass der Inhalt häufig nur Werbung ist. An einer Straßenbahnstation in der Nachbarschaft beschränkt sich die Anzeige darauf, das Wort „BIER“ buchstabenweise erscheinen zu lassen, dann die Zahl „€1,30″ hinterher, das Display zu löschen, und dann alles wieder von vorne. Gut, ich weiß jetzt, dass das Bier bei denen €1,30 kostet. Doch ich trinke kein Bier. Also, was ist der Punkt des ganzen?

Dagegen kommt es bemerkenswert häufig vor, dass ich die Laufschrift der Anzeigetafeln des Nahverkehrs lese: Das Display besteht aus mehreren Zeilen, eine davon zeigt konstant allgemein relevante Daten an — Datum und Uhrzeit , drei zeigen die als nächste kommenden Straßenbahnen an, und die fünfte Zeile, schließlich, enthält den Lauftext. Dieser verwendet null Gimmicks. Er fließt einfach in konstanter Geschwindigkeit von rechts nach links durch.

Das heißt: Wenn die Tafel relevante Informationen anzeigt, wird sie auch angesehen. Im Gegensatz zu den üblichen clueless eingesetzten Laufschriften, die man alsbald zu ignorieren lernt.

Dazu kommt, dass üblicherweise mehr als eine Anzeigetafel vorhanden ist. Auf allen läuft derselbe Text. Doch sie laufen nicht synchron. — Ich stehe oft vor so zwei Tafeln, die einen Text an ähnlicher Stelle anzeigen, und versuche zu sehen/entscheiden, ob sie synchron laufen, ob der Nahverkehrsdienst dies nun endlich geschaft hat. — Doch, nachdem ich nun etwas detaillierter über Laufschriften nachgedacht habe, sehe ich: Zwei oder mehr Laufschriften synchron laufen zu lassen, wäre genau der Fehler: Dass sie nicht synchron laufen, ist ihr großer Vorteil: Wenn man einen Teil der Anzeige verpasst hat, kann man zu einer anderen Tafel blicken und dort die entsprechende Stelle nochmal nachlesen.
 

Was hat dies nun mir den Zeitungsunternehmen zu tun? — Anstatt Zeitungen an Menschen zu verkaufen, könnten sie Nachrichten — zusammengefasst auf vielleicht 150 Zeichen oder maximal vier Sätze — an Unternehmen verkaufen. Diese könnten diese Nachrichten auf ihren Laufschriften ausgeben. Damit hätten die Unternehmen relevante Inhalte für ihre Displays. Die Unternehmen könnten ihre eigenen Werbebotschaften zu den Nachrichten mischen und mit-anzeigen. So würden ihre Laufschriften Sinn ergeben, d.h. potenzielle Kunden erreichen. Die Nachrichten könnten nach Sparten geordnet von den Zeitungsunternehmen angeboten werden, und die Unternehmen könnten sie wie RSS-Feeds abonnieren. Obendrein könnte jede Nachricht eine Kennung zum Volltext der Nachricht erhalten, bspw. eine Telefonnummer, unter der der an der Haltestelle Wartende dann auch gleich den Volltext zur interessierenden Überschrift erhielte, als Audiodatei. Auch dort würde sich wieder die Möglichkeit ergeben, Werbung einzuspielen. Vielleicht am Ende der Nachricht, um nicht davon abzuschrecken, die Nachricht überhaupt abzurufen — und damit dann rückwirkend auch wieder die Nützlichkeit der Laufschriften zunichte zu machen. Damit die Werbung dennoch gehört wird, könnte nach der Nachricht ein weiterer Bonus versteckt sein — nicht immer, aber manchmal dort „angezeigt“ werden. Etwa ein Gratiszugang zu einem Dienst oder Sammelpunkte oder… — Nicht viel, aber genug, damit die an diesen Boni Interessierten die Werbung anhören. — Würden die Boni bewirken, dass die „Teilnehmer“ etwas erhielten, das niemand außerhalb der Gruppe auf eine andere Weise erhalten kann ergäbe sich sogar ein viraler Effekt: Teilnehmer könnten mit ihrem Bonus/Privileg prahlen, ihre Quelle nennen — „habe die Werbung angehört, und dahinter war das“ — und dadurch ihre Zuhörer dazu „anstiften“ sich ebenfalls die Werbung anzuhören.
 

Und die Freiheit der Presse? Wenn die Kunden die Unternehmen sind, über die mglw. kritisch berichtet wird/werden muss? — Das hat die Presse heute schon raus und weiß bestens damit umzugehen: Das ist genauso wie mit Anzeigenkunden, über die kritisch berichtet wird/werden muss. [i]


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