Ausnutzen

Wir hatten hier einen Pizzabäcker, der hatte ein Spitzenangebot: Eine große Pizza, einen gemischten Salat, eine Tüte Pizzabrötchen und noch ein Erfrischungsgetränk in 0,33er-Dose. Das alles für 15 Mark — heute etwa sieben Euro. Das haben wir uns im Studentenwohnheim natürlich gefallen lassen; und jedesmal, wenn nichts mehr zu essen da war, haben wir halt kurz bei ihm angerufen.

Wie das so ist bei Pizzanotdiensten: Die Gesichter wechselten, und wir haben ja auch nicht jeden Tag bestellt. Selten sah man dasselbe Gesicht ein zweites oder drittes Mal.

//flickr.com/photos/taylorhood/18333062/

Quelle: VickyTH/Flickr; (CC) BY-NC 2.0; http://flickr.com/photos/taylorhood/18333062/

Irgendwann änderte sich das. Zuerst ist es mir nicht wirklich aufgefallen. Aber irgendwann doch: Da war dieser „ältere“, etwas besser bekleidete Herr, der die Pizza brachte. Auch nach Tagen des Nicht-Bestellens, immer wieder das gleiche Gesicht. Wir gaben ihm das mickrige Trinkgeld, das wir immer zu geben pflegten, doch er kam immer wieder. Wir äußerten Sonderwünsche, und er ging darauf ein.

Da stand er nun, dieser dicke, aber große Mann, in seiner leicht geduckten Haltung. Vor unserer Tür, draußen, im Kalten. Und ich fragte, wie es käme, dass eigentlich nur immer nur er käme. Und er sagte mir: Er sei der Chef, er schmeiße den Laden ganz alleine, backe selbst und liefere anschließend selbst aus.
 

Damals begriff ich die Implikationen nicht. Kurz darauf gab es seine Pizzeria nicht mehr.

Wenn ich heute daran denke, tut mir das leid, wie wir ihn damals ausgenutzt haben.

Daran musste ich denken, als ich neulich in Zusammenhang mit Community erwähnte, dass einem aus der Community Ausgeschlossenen nur noch derjenige geben würde, wer sich ausnutzen lässt.

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