Fehler zu machen—nein, Fehler machen zu dürfen, ist eine Freiheit—oder ein Stück Freiheit?
Da pfeifen zum Beispiel die Spatzen von den Dächern, dass das Zeitalter, in dem wir leben, wenn es vorbei ist, das dunkle Zeitalter sein wird, weil alle unserer Informationen auf — in Bezug auf geschichtliche Zeiträume — völlig flüchtigen Medien gespeichert sind: Was die Römer schrieben, meißelten sie in Stein. Das ist heute noch lesbar. Eine DVD übersteht, wenn man sie sorgsam behandelt, vielleicht zehn Jahre. Wenn man sie trocken aufbewahrt, vor Sonne schützt… et cetera. Wie lange werden DVD-Spieler benutzbar sein? Vielleicht zwanzig, vielleicht — mit Glück — fünfzig Jahre. — Wie lange haben Steintafeln aus dem Römischen Reich überstanden? — Über zwei tausend Jahre.Die Wissenschaftsnachrichten von Science Daily melden gerade: Die Anzahl der Autismus-Fälle nimmt zu in Kalifornien: Es liegt nicht daran, dass Autismus besser diagnostiziert werden könnte, so dass überhaupt erst mehr Fälle als vorher gezählt werden können, sondern es liegt daran, dass die Anzahl tatsächlich steigt. Autisten leiden unter einer Art Reizüberflutung und wehren diese dadurch ab, dass sie alle Welt um sich herum ausblenden.
Wenn verschiedene Menschen aufeinander treffen, sind Konflikte vorprogrammiert. Sprechen sie zudem nicht miteinander, liegt Gewalt nahe. Nehmen wir dies auf der einen Seite und den Verfall der Speichermedien auf der anderen Seite — sowie den impliziten Umstand, dass heutige Wissenschaftler in 50 Jahren wahrscheinlich nicht mehr da sein werden, –, dann stellt sich mir die Frage, wie dunkel das dunkle Zeitalter tatsächlich werden wird.Das ist Spekulation. Zu spekulieren, ist, in eine neue/andere Richtung zu schauen. Vielleicht den ganzen Gedanken zu durchdenken, vielleicht Fehler dabei zu machen — wahrscheinlich aber eigene Fehler dabei zu bemerken, zumindest rückblickend — und dadurch neue Einsichten zu gewinnen. Dazu ist, sich die Freiheit zu nehmen, Fehler zu machen, da. Oder?

